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Semmering: Steine der Erinnerung

Mehr als 35 „Steine der Erinnerung“ sollen am Semmering an Menschen erinnern, die einst hier lebten und durch die Shoah vertrieben, verfolgt und ermordet wurden. Nun wurde für diese Steine ein besonderer Platz an der Hochstraße gefunden.
Mehr als 35 „Steine der Erinnerung“ sollen am Semmering an Menschen erinnern, die einst hier lebten und durch die Shoah vertrieben, verfolgt und ermordet wurden. Nun wurde für diese Steine ein besonderer Platz an der Hochstraße gefunden.

Zwischen zwei Farnbüschen vor dem Semmeringkircherl liegen schlichte Steine. In Schwarz und Gold beschriftet, tragen sie Namen – und damit die Erinnerung an Menschen, deren Leben mit dem Semmering verbunden war. Gestaltet hat die „Steine der Erinnerung“ Heidelinde Prüger. Als Lyrikerin und Erzählerin beschäftigt sie sich schon lange intensiv mit Sprache und Geschichten.


Jeder Stein steht für einen Menschen oder eine Familie. „Richards Buch ,Zertrümmerte Erinnerung am Semmering‘ hat in mir den Wunsch wachsen lassen, den vertriebenen und ermordeten Menschen, von denen er erzählt, wieder einen Ort zu geben – einen symbolischen Ort, an dem ihre Namen bleiben, ihre Würde sichtbar wird und ihre Schicksale nicht vergessen werden“, erzählt Prüger.


Richard Weihs aus Breitenstein beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der jüdischen Geschichte des Semmerings und mit der Geschichte seiner eigenen Familie. 2024 erschien der erste Band von „Zertrümmerte Erinnerung am Semmering“: Eine österreichisch-jüdische Geschichte. 2025 folgte dann „Die kuriose Geschichte einer Kur-Region“. Weihs dokumentiert darin die Geschichte jüdischer Familien und das jüdische Leben in der Semmering-Region ebenso wie Enteignung, Vertreibung und Ermordung während der NS-Zeit.


Mit dem Bau der Semmeringbahn entwickelte sich die Region im 19. Jahrhundert zu einer beliebten Sommerfrische. Jüdinnen und Juden gehörten zu den Stammgästen und prägten das gesellschaftliche Leben mit. Mit dem Nationalsozialismus kam der radikale Bruch. Hier setzt Prügers Arbeit an. „Jeder Name findet seinen eigenen Stein“, sagt sie. Das Schreiben der Namen erlebt sie als einen stillen, poetischen Vorgang: „Wenn ich einen Namen schreibe, ihn ausspreche oder still denke, wird dieser Mensch für mich gegenwärtig.“


Die Frage nach einem dauerhaften Ort für die Steine beschäftigte Prüger seit Beginn des Projektes. Deshalb war für sie die Antwort von Pater Nikolaus auf ihre Frage, ob die Steine beim Semmeringkircherl einen Platz finden könnten, besonders berührend: „Es war einfach ein überzeugtes: Natürlich!“ Damit können die Steine künftig an einem Ort „leben“, der zum Innehalten einlädt und zugleich mitten in der Geschichte des Semmerings liegt.


Für Prüger ist das Projekt auch eine Form des Weitergebens. Ihre verschiedenen Tätigkeiten fließen dabei unmittelbar zusammen: als Erzählerin, die Erlebtes in Geschichten verwandelt bewahrt, als Lehrerin, die Wissen weitergibt, als Bibliothekarin, die den Zugang zu Geschichte ermöglicht, und in ihrer Arbeit als Dir.-Stv.in der internationalen Bildungsplattform PILGRIM, wo der Dialog zwischen Religionen und Kulturen eine zentrale Rolle spielt. „Hier wird sichtbar, wie ,Zertrümmerte Erinnerungweiterwirkt – wie aus einem Buch eine neue Auseinandersetzung entstehen kann. Und dass ein Denkmal nicht an fehlendem Geld scheitern muss.“


 
 
 

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