Nornbert Silberbauer - Ein ernstes Gesicht

Aktualisiert: 29. Sept 2020



Eng befreundet mit Norbert Silberbauer war ich ja nicht; ich habe ihn nicht einmal sehr gut gekannt. Aber bekannt war ich mit ihm viele Jahre lang – und ich habe ihn sehr geschätzt: Sowohl als Schriftsteller als auch persönlich. Seine Art zu Erzählen hat mich stark und unmittelbar angesprochen: Mit seinen Geschichten konnte ich immer etwas anfangen und ich habe sie ausgesprochen gerne gelesen. Und als ich Norbert selbst kennen gelernt habe, war er mir auf Anhieb sehr sympathisch.


Im Lauf der Jahre haben wir uns immer wieder bei Lesungen und kulturellen Veranstaltungen getroffen – manchmal waren wir auch beide als Vortragende engagiert. Es hat mich sehr gefreut, dass ihm meine Sachen auch gefallen haben und er mich zu einem Gastauftritt an seine Schule in Retz einladen wollte. Dazu ist es aber leider nicht mehr gekommen.

Besonders geschätzt an Norbert habe ich seinen durchaus trockenen Humor. Dieser taucht nicht nur in seinen Geschichten immer wieder aufs Erfreulichste auf – er hat ihn sich auch in durchaus feuchtfröhlichen Umständen bewahrt, wie etwa bei einem legendären Kellergassenfest im Weinort Schiltern, als wir auf einer winzigen und recht wackligen Holzbühne aufsaßen.


Ein Aha-Erlebnis mit ihm hatte ich einmal bei der Präsentation zweier Anthologien der Edition Aramo im Unabhängigen Literaturhaus NÖ in Krems. Nach der Lesung posierten wir gemeinsam mit Alfred Komarek und Julian Schutting für einen Fotografen der NÖN; ich blödelte dabei mit Norbert und brachte ihn zum Lachen. Worauf er anschließend meinte, dass ihm das jetzt eigentlich überhaupt nicht recht wäre, da er doch stets versuche, auf derartigen Fotos ein ernstes Gesicht zu machen.


Er meinte damals, dass dies wohl das einzige existierende offizielle Foto wäre, auf dem er lachen würde. Sein Gesicht sehe ich auch heute noch sofort vor mir, wenn ich an ihn denke – ich brauche dafür die Augen gar nicht zuzumachen. Die Nachricht von seinem frühen Tod hat mich sehr getroffen: Ich war so wie Sylvia Treudl, die sie mir übermittelt hat, fassungslos.

Ich habe darüber nachgedacht, wann ich den Norbert denn das letzte Mal gesehen habe. Es war ein halbes Jahr vor seinem Tod: Er hat im Wiener Literaturhaus aus seiner Weihnachtsgeschichte „Was steuert die Ameisen?“ gelesen. Die Veranstaltung fand im Rahmen des kulturellen Adventumzuges „Alles Gute“ statt – ich kam daher erst knapp zu Beginn der Lesung und konnte ihn erst nachher begrüßen.


Norbert war in ungewohnt gelöster Stimmung. Er begrüßte mich sehr herzlich, fast kam er mir schon euphorisch vor. Und ich war noch mehr überrascht, als er mich auf die Bühne zog und den anwesenden Fotografen bat, uns zusammen zu fotografieren. Während dieser dann abdrückte, legte er seinen Arm um meine Schultern – und er lachte dabei über das ganze Gesicht.

Richard Weihs


Fotocredit: Silvia Treudl

Richard Weihs ist Autor, Musiker, Kabarettist und Lebenskünstler. Mehr über ihn

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