Lassen Sie sich von Wien bezirken!

Aktualisiert: 29. Sept 2020

von Richard Weihs





Ach, Sie sind Wiener? Also, eines muss ich Ihnen schon sagen über Ihnere Stadt: Wenn damals nicht der heilige Leopold statt dem heiligen Josef über die Landstraße nach Vindobona gekommen wäre – dann wäre wohl alles ganz anders gekommen! Wie denn? Na, ganz einfach: Dann hätte sich statt dem Leopold der Josef in die Margareten verliebt! Und die hätte dann ihn gebeten, dass er ihr und ihrer Schwester Maria hilft mit ihrem Neubau. Dann hätte eben der Josef statt dem Leopold fleißig am Bau gearbeitet, als er Grund und Boden erworben hatte und wäre sicher zu einem Favoriten der damaligen römischen Bauwirtschaft geworden.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, war in diesem Geschäft Bestechung schon damals gang und gebe. Vor allem die Grundverweser haben ganz ordentlich eingesteckt: So haben sie immer Ringe und andere Juwelen zugesteckt bekommen – derlei Schmierschmuck war bei den Römern einfach nicht zu vermeidling! Und wie ich den hietzing Josef kenne, hätte er nicht brav den Mund gehalten wie der schweigsame Leopold: Nein, der hätte sicher einen Rappel bekommen und wäre zum Statthalter Rudolf Floritz petzen gegangen! Zu Fuß, natürlich, denn Autos und Penzing hat es damals natürlich noch nicht gegeben.

Am späten Nachmittag wäre dann der Rudolf heim gegangen – die Statthalter hatten damals ja immer pünktlich um Fünf aus. Zu Hause bei seiner Frau hätte der Rudolf seinem Ärger ordentlich Luft gemacht und geschrieen: „Hört diese Bestecherei jetzt endlich einmal auf – oda krieg’n diese korrupten Kerle nie genug?“ Und seine Alte, die Alma Mater Rudolfina, hätte darauf wohl kühl geantwortet: „Du solltest diese feinen Herrn als Löwenfutter in die Arena nach Carnuntum schicken!“


Der besonnene Rudolf Floritz aber hätte stattdessen ein amtliches Dekret herausgegeben: „Währ ringe oder anderes Geschmeide zum Behufe der Bestechung ausgibt oder annimmt, wird dafür mit dem Abhacken des Ringfingers oder einem anderen mit Geschmeide geschmückten Körperteil verurteilt!“ Fürwahr eine drakonische Strafe – für die damalige Zeit aber durchaus döbling! Anders dachte damals nur Rudolfs Geliebte, die üppige Brigitte: „Nau, ob des da Floritz dorf?“


Und wenn damals der reuige Josef in die Donau statt in’s Exil gegangen wäre, dann wäre jenseits des Flusses wohl überhaupt nichts mehr gebaut worden: Und statt Transdanubien gäbe es heute bestenfalls eine kleine chinesische Kolonie: Liesing!


Richard Weihs

Richard Weihs ist Autor, Musiker, Kabarettist und Lebenskünstler. Mehr über ihn


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